Cycling Paradise Japan

Manche Stimmen behaupten, Japan sei die weltweit drittgrößte Fahrradnation gleich nach Dänemark und den Niederlanden. Diese Behauptung ist sicherlich mutig, doch nach nur einigen Tagen in verschiedenen Städten im Südwesten der Hauptinsel Japans kann diesen Gedanken auf jeden Fall nachvollziehen.

Auch wenn Japan kaum etwas in die Radverkehrsförderung investiert, es weder Radwege noch Radfahrstreifen noch Beschilderungen für RadfahrerInnen gibt, finden die japanischen RadlerInnen ihren Platz – dieser ist meist am Gehsteig.

Die Hauptstraßen in Kyoto und Hiroshima sind großzügig für den Kfz-Verkehr ausgerichtet. Mancmal stehen 3 bis 4 Fahrstreifen pro Fahrtrichtung zur Verfügung und im Gegensatz dazu sind für Fußgänger meist nur schmale Gehsteige vorhanden. RadfahrerInnen fahren anscheinend ungern auf den stark befahrenen Straßen und tummeln sich auf den Gehsteigen – was ihnen seit Anfang der 1970er Jahre auch erlaubt ist. Damals boomte der Automobilverkehr, viele JapanerInnen schafften sich Autos an und dementsprechend stieg auch die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle, vor allem mit RadfahrerInnen.

Trends gehen heute in die entgegengesetzte Richtung: weniger JapanerInnen kaufen sich ein Auto und mehr Leute fahren Rad und somit steigt die Anzahl an Konflikten und Zusammenstößen auf den Gehsteigen. Trotz allem funktioniert das Zusammenleben von FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf den oft sehr engen Gehsteigen recht gut, beide Parteien sind sehr achtsam und tolerienen sich gegenseitig – eine unvorstellbare Situation in Wien und anderen Städten Europas! Dies hängt allem Anschedin nach vor allem auch mit der japanischen Kultur zusammen, die von Toleranz und Disziplin geprägt ist. Höflichkeit und Respekt prägen die japanische Kultur, was sich auch in der sehr niedrigen Kriminalitätsrate widerspiegelt. Widerum unvorstellbar als Wienerin ist der Respekt vor dem Eigentum des anderen – die meisten Fahrräder der JapanerInnen sind neu und chic, trotzdem gibt es kaum ein Rad im öffentlichen Raum das abgesperrt oder angekettet ist!

Interessanterweise gibt es in Japan kaum Parkplätze im öffentlichen Raum, manche Häuser verfügen im Erdgeschoß über private Garagen. Ein spontanes Parken des eigenen Autos scheint hier in der Stadt fast unmöglich zu sein, außer man kann in einer privaten Parkgarage oder auf einem privaten Parkplatz stehen. Will man den FußgängerInnen oder RadfahrerInnen daher mehr Platz im Stadtverkehr schaffen, gibt es nur zwei Optionen: Fahrstreifen reduzieren oder Häuser abreißen…..

Hier einige Eindrücke aus Kyoto und Hiroshima: Image

Vor Zusammenstößen mit FußgängerInnen wird gewarnt

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Ein klassisches japanisches „Mamachari“ – vorne und hinten ein Kleinkind, sieht man hier sehr oft. Radelnde Kinder sind mir dafür noch nie untergekommen.

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RadfahrerInnen drängen sich an einer engen Busstation durch die Passanten. FußgängerInnen werden hier kaum angeklingelt, um sich als RadfahrerIn freie Fahrt zu verschaffen (gilt anscheinend als unhöflich). Entweder man wagt ein oft sehr knappes Überholmanöver oder gondelt langsam hinter den FußgängerInnen her, bis man gesehen wird. (Hiroshima)

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Neben Fußgängerübergängen gibt es eigene Fahrradstreifen, genutzt werden sie jedoch von beiden, FußgängerInnen und RadlerInnen – und das auch nicht zwangsweise.

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Kreative Lastenräder….

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TU Japanexkursion 2013: http://japanexkursion2013.blogspot.co.at/

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2 responses to this post.

  1. Posted by trixyb on 2013/09/26 at 9:06 am

    Von einer Insel können die Fahrräder ja auch nicht so leicht verschwinden…außerdem kommt im Gegensatz zu Wien in Richtung Osten sehr lang nix 🙂

    Antwort

  2. Posted by mykebike on 2013/09/26 at 10:26 am

    Super Bericht!
    Das mit Fahrbahnen und Gehsteig-Radeln erinnert mich an Moskau, auch hier ist die Rücksichtnahme (noch?) ziemlich groß 😉
    Toll find ich das Warnschild: Achtung, Fahrrad schiebende Menschen attackieren heimtückisch von hinten 😉
    Oder es bedeutet: Radfahrer bitte abspringen vor dem Zusammenstoß mit FußgängerInnen?

    Antwort

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