Changwon Bike Sharing System

In Suedkorea gibt es keine halben Sachen. Entweder es wird gruendlich gemacht – oder gar nicht. Und es gibt einen bis an die Grenzen der Ertraeglichkeit ausgepraegten Drang nach Perfektion und Ordnung. Alles ist geregelt, alles ist perfekt. Unvorhergesehenes ist nicht vorgesehen. Wenn es doch passiert: Irritation, Hektik und Scham, dass es passiert ist. Changwon’s Bike Sharing System heisst NUBIJA. Selbst entwickelt! Tut gut, mal keine JCDecaux-Kopie zu sehen, selbst wenn die Raeder auf den ersten Blick aehnlich aussehen, das tauescht aber. Doch dazu spaeter, wir werfen mal einen Blick in das NUBIJA Operation-Center:

Sehr beeindruckend, schaut aus wie bei uns in der Verkehrsleitzentrale der Polizei. Die Auslastung der 230 NUBIJA-Terminals wird hier ueberwacht. Jede Station ist als rot-blaue „Torte“ dargestellt. Rot die freien Abstellplaetze, blau die besetzten. Sobald eine Station rot wird, rueckt das Serviceteam aus und transportiert mit einem der 15 Rad-Transporter Fahrraeder dorthin. Wenn eine Station uerberfuellt ist, ruecken sie ebenfalls gleich aus. Ausserdem gibt es natuerlich bei jeder Station Videokameras, wo alles genau beobachtet werden kann.

Und wenn ich trotzdem zu einer Station komme, die gerade voll ist? 24 h-Call-Center anrufen und mitteilen, dass man das Rad neben der Station mit normalen Schloss abgesichert stehen laesst.

NUBIJA hat im Jahr 2008 begonnen. Seither nehmen die Fahrtenzahlen jaehrlich um 60 % zu. Der Rad-Modal-Split hat sich dadurch von 5 % auf 10 % erhoeht. Ziel sind 20 %. Bei 5.000 Abstellplaetzen gibt es 4.000 Raeder, das ist ziemlich viel. Einen Haken hat die Sache: Man braucht ein in Korea angemeldetes Handy um sich ueberhaupt ein Rad ausborgen zu koennen. Also keine Chance fuer auslaendische TouristInnen. BewohnerInnen von Changwon koennen ein Monatsabo oder ein Jahresabo (kostet ca. 20 US $) kaufen. Zitat: „NUBIJA is for our citizens“. Andere KoreanerInnen koennen einen Tagespass kaufen. Pro Tag gibt es 25.000 Fahrten, das sind mehr als 6 Fahrten pro Fahrrad und Tag. Changwon hat uebrigens 1,1 Mio. Einwohner. Wieviel kostet der Spass im Betrieb? Die Einnahmen betragen 1 Mrd. koreanische Won, die Ausgaben 3 Mrd. Won. Bleibt eine Differez von 2 Mrd. Won. Das sind knapp 1,3 Mio. Euro an Betriebskosten pro Jahr, die von der Stadt getragen werden. Kein Problem – Changwon will ja die oekologische Hauptstadt der ganzen Welt werden. THING BIG …

Die Fahrraeder: Mit 7 Gaengen, Geschwindigkeitsanzeige, Kilometerzaehler. Hab ich eigentlich schon erwaehnt, dass die Koreaner technik-verliebt sind? Die insgesamt 100 NUBIJA-MitarbeiterInnen sorgen auch dafuer, dass die Raeder immer in Schuss und schoen poliert sind. Sollen wir das alles mal dem HE erzaehlen? 😉

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